SVEN- Der Kämpfer

 

 

 

 

 

Wir wollten immer gerne 2 Kinder. Als dann deine Schwester „Romina“ am 11.Dezember 1989 kerngesund geboren wurde, waren wir überglücklich. 2 Jahre und einen Monat später, am 11.Januar 1992 kamst du auf die Welt. Dieses Mal sollte alles anders sein… Papa hat dich nach deiner Geburt gewaschen und angezogen. Danach kam die Hebamme und hat dich auf die Säuglingsstation gebracht. Zuerst schien alles in Ordnung zu sein…, aber am nächsten Tag sagte man mir, dass du zu wenig trinkst, weil du zu schwach bist. Deshalb wurdest du auf die Intensivstation gebracht und mit einer Magensonde versorgt, Nach 4 langen Wochen durften wir dich mit nach Hause nehmen. Man sagte uns, es wäre eine leichte Veränderung am Herzen. Ab da haben wir dich immer zur Überwachung an einen Heimmonitor angeschlossen, wenn du geschlafen hast. Manchmal haben Papa und ich uns erschrocken, wenn er Fehlalarm ausgelöst hat, weil du mit deinen kleinen Fingern irgendwie an die Kabel gekommen bist und die Aufkleber verrutscht sind. Wir waren glücklich, dass es nur „falscher Alarm“ war. Nach regelmäßigen Untersuchungen wurde festgestellt, dass es deinem Herzen schlechter geht, deshalb wurdest du im April 1992 nach Essen verlegt. Dort hat man dann festgestellt, dass deine linke Herzkammer größer, als die rechte war und dein Herzmuskel ausgeleiert ist. Eine Ärztin in der Klinik meinte dann, dass wir uns noch ein Paar schöne Tage mit dir machen und eine Nottaufe veranlassen sollen. Diese sogenannte „Nottaufe“, hat dann unser damaliger Pfarrer Herbert Schmidt am 24. April 1992 in der Uniklinik Essen gemacht. Danach haben wir große Angst gehabt, dich endgültig zu verlieren, aber Herr Schmidt hat uns Hoffnung gemacht und uns Mut zugesprochen. Auch unsere Familie hat nicht aufgegeben und ganz fest die Daumen gedrückt. Nach ein paar Tagen ist ein wunder geschehen… Es ging dir von Tag zu Tag besser und du warst stabil. Am 03. Juli 1992 durften wir dich mit nach Hause nehmen und die damalige Ärztin sagte nur zu uns: „Ihr Sohn Sven ist ein Kämpfer!“ Danach ging es mit dir immer auf und ab. Im September 1993 fuhren wir dann das erste Mal nach Bad Oeynhausen.

 

Am 12.Juli 1994 morgens hat Dr. Kryphausen angerufen und sich nach dir erkundigt. Zu dieser Zeit ging es dir schon nicht mehr besonders gut. Du wolltest nicht viel trinken und essen. Du warst schon so schwach, dass wir dich tragen mussten. Am gleichen Abend noch, gegen 22:00 Uhr hat Dr, Kryphausen wieder angerufen und gesagt, dass wir gegen 23:00Uhr vom Rettungswagen abgeholt werden, weil ein HERZ für dich da ist. Wir hatten Herzklopfen und waren sehr aufgeregt, da jetzt alles schnell gehen musste. Ich haben Marion dann angerufen, die sofort von Lüdenscheid angedüst kam, weil sich jemand um Romina kümmern musste. Wir packten schnell ein Paar Sachen zusammen und dann ging’s los. Als wir da waren, wurden mehrere Untersuchungen durchgeführt. Nur Papa konnte dich da beruhigen. Wir waren alle total aufgeregt und hatten Angst um dich. Die OP verlief gut. Nach 6 Wochen konnten wir nach Hause. In dieser Zeit war es für mich auch sehr schwer, dass ich Romina nicht bei mir haben durfte. Ohne Unterstützung der Familien, hätten wir es nicht alleine geschafft. Sie haben sich damals auch ganz lieb um Romina gekümmert. Wieder zu Hause kamen viele Aufgaben auf uns zu, wie z.B. regelmäßige Medikamentengabe, Blutdruckmessungen und Tagebuch führen, Arztbesuche, Krankengymnastik usw.. Auch neue Verbote gehörten dazu, wie z.B. nicht im Sand spielen, nicht im Chlor schwimmen, nicht alles essen dürfen, wie z.B. Eis, Mayonaise, Speisen, die Salmonellen auslösen können und noch vieles mehr. Später im Kindergarten und dann in der Schule aufpassen, bei Infekten, oder Krankheiten.

 

Es ging 23 Jahre gut, trotz ein Paar Abstoßungen und einigen Krankenhausaufenthalten immer wieder zwischendurch. Dann am 14.Juli 2017 wurdest du gelistet. Wieder warten auf ein geeignetes Spenderherz. Nach 90 schweren Tagen kam dann die Rettung in letzter Minute: Ein sehr starkes Herz!

 

Wir waren so glücklich. Dann ging es wieder langsam bergauf nach der Operation und der anschließenden Reha.

 

Am 05. Dezember 2017 hieß es endlich: „nach Hause!“ Wir haben diese schwere Zeit damals und heute auch geschafft, weil wir immer zusammen gehalten haben in der Familie, mit unseren Freunden und Bekannten, die immer hinter uns stehen. Sie hatten oft ein offenes Ohr für uns und nahmen uns in den Arm.

 

Sven, du hast es geschafft, weil du stark bist, schon als Baby. DU bist ein richtiger Kämpfer.

 

Wir wünschen dir, dass du deine weiteren Ziele erreichen wirst und die Wünsche, die du hast auch hoffentlich noch in Erfüllung gehen.

 

 

 

Wir haben dich sehr lieb!

 

 

 

Papa und Mama